Und wieder Der Untergang

Joachim Fest, Bernd Eichinger, Der Untergang

Der Tod von Bruno Ganz hat mich ganz schön geschockt. Nein, damit hatte ich nicht gerechnet. Künstler, die dir – wie auch immer –  etwas bedeutet haben, die dich selbst gar nicht kennen, die dennoch  wichtig für dich sind – sind dann plötzlich nicht mehr da. Jeder hat seine eigene Form der Trauer, mancher kehrt sie nach innen, mancher ist laut und öffentlich.

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Der Schmerz wirkt weiter

Horst Selbiger, Verfemt – Verfolgt – Verraten

Der Schmerz ist noch da. Auch nach über 70 Jahren. „Du bist ein Gezeichneter dein ganzes Leben lang“, sagt Horst Selbiger, und: „Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.“ Nahezu zwei Jahre hatte der heute 90-Jährige an seinem Buch gearbeitet, fast jeden Tag. Den „Abriss seines Lebens“ nennt er Verfemt – Verfolgt – Verraten, sogleich verbunden mit der Aufforderung: „Fragt uns, wir sind die Letzten! Wenn wir nicht mehr sind, ist alles nur noch papierne Geschichte.“

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Angesichts der Katastrophe

Maiken Nielsen, Und unter uns die Welt

Endlich mal wieder einen richtigen Roman lesen – also: keine Dystopie, kein Verschieben irgendwelcher Ebenen, nein, einen richtigen Roman. Ja, ich weiß, das klingt vermessen.

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Für immer Herbert

Bernhard Schlink, Olga

Es kann durchaus sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008 in einem Spiegel-Artikel, in dem es um eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis ging. Ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert, befeuert spätestens durch Christoph Ransmayrs  Die Schrecken des Eises und der Finsternis.

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Ein Buch der Heimat

Kurt Tucholsky, Das Leben ist doch goldisch!

Köln, Hamburg, Berlin – die großen Städte haben große Verlage, die jährlich tausende und mehr Bücher ausspucken. Wer sagt denn, dass es auf dem platten Land nicht auch Leute gibt, die tolle Texte verlegen? Zum Beispiel Marlies Kalbhenn in Espelkamp. Ich lese gerade ihr Tucholsky-Buch.

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Die große Entlausung

Heinrich Böll, Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind

Noch eine neue Platte von Prince? Posthum? Damit muss man immer rechnen, oder besser: Darauf darf man hoffen.  Aber ein neues Buch von Böll, der 1985 gestorben ist: mit Texten, die in dieser Form noch nie (und ich schreibe das jetzt bewusst) zu sehen  waren. Ehrlich gesagt: Ich habe nicht damit gerechnet. Umso schöner, dass ich meine kleine Böll-Sammlung jetzt erweitern durfte. Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind  heißt der Band mit den drei Kriegstagebüchern von 1943 bis 45.

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Hungrige Bestien

Jussi Adler Olsen, Verachtung

Kaum wabern Rassisten durch die höchsten Sphären der Politik, lese ich Jussi Adler Olsens Verachtung. Einen Krimi also, in dem es um furchterregende Machenschaften furchterregender Rechtsextremer geht. Und somit auch um Euthanasie, der selbstgerechten „Vernichtung unwerten Lebens“.

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Riesen über dem Vulkan

Robert Harris, Pompeji

Wie nur wenige verknüpft Robert Harris historische Fakten mit Fiktion. Das macht er in Vaterland so gut, dass man ihm abnimmt, Hitler habe  1945 überlebt, die Nazis seien  weiter an der Macht und hätten  das politische Leben im Deutschland der fünfziger Jahre im Zangengriff . Was zunächst übertrieben und hanebüchen klingt, funktioniert innerhalb der Geschichte ungemein gut. Bei Pompeji ist das genauso.

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Zuletzt ist alles gut

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben

Dieses Buch ist ein alter Bekannter. Und das ist ungewöhnlich, zumal es Ein ganzes Leben doch erst seit knapp drei Jahren gibt. Aber Robert Seethaler schreibt so vertraut – du hast als Leser das Gefühl, dass der Text schon  fünfzig Jahre auf dem Buckel hat. Mindestens. Und dieses Gefühl hast du aus gutem Grund.

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