Hinter den Nazi-Kulissen

Guido Knopp, Geheimnisse des „Dritten Reichs“

Mit Nazis lassen sich ganze Sommerlöcher verfüllen. Nazis machen Quote in Text und Bild. Recht offensiv wirbt deshalb auch der Titel Geheimnisse des „Dritten Reichs“ für die aufklärende Lektüre. Man hätte ihn auch anders wählen können – denn natürlich werden hier keine großen Geheimnisse gelüftet. Ich halte das Buch dennoch für lesenswert.

Denn abgesehen von der etwas reißerischen Machart eignet sich der Text für eine durchaus tiefer gehende Information. Guido Knopp legt sicherlich keine wisenschaftliche Studie vor, allerdings eine Darstellung, die gut recherchiert ist und vielleicht zum Lebensprojekt des freundlichen Fernseh-Professors passt. Viele Erkenntnisse sind (und das ist gar nicht schlimm) mehrfach verwertet. Die Geheimnisse des „Dritten Reichs“ sind guter Historien-Journalismus: sauber recherchiert, kurzweilig und reportagehaft aufgemacht.

  • Auch gedruckt geht es diesal um die Familie Hitler, etwa um Paula, die Schwester des Führers, die 1960 in Berchtesgaden starb. Unbelehrbar und kurz vor ihrem Ableben noch durch den angehenden Journalisten Jasper  Boone interwiewt. Hitler werde einst gefeiert wie Napoleon, habe Paula Hitler gesagt.
  • Gefeiert wurde zu Lebzeiten (und von manchen noch danach) der als „Wüstenfuchs“ verehrte Erwin Rommel. Anfangs ein glühender Verehrer Hitlers, blind folgend, dann militärisch erfolgreich; unter anderem, weil er an codierte Feindnachrichten gekommen war, schließlich in Ungande fallend, da er am Geisteszustand Hitlers zweifelte. Wenn er den Freitod wähle, würde seine Familie verschont, rieten die Nazis. Und Rommel wählte.
  • Der Diktator vermehrte seine Finanzen auf hinterhältige Weise, wie Knopp im Kapitel Hitlers Geld deutlich macht. Der „Föhrer“ war ein Großkapitalist und kassierte nach Hindenburgs Abgang auch dessen Bezüge. Aber auch das durfte natürlich niemand wissen (so wie Hitlers Verhältnisse zu Frauen).
  • Dann Heinrich Himmler, Knopp fragt: War der Judenmord Mittel zum Zweck, seine eiigene Macht im Reich auszubauen und seinen ganz persönlichen Nazionalsozialismus zu leben?
  • Auch Albert Speer war ein Blender, keinesfalls ein „guter Nazi“, als der er gesehen werden wollte und Zeit seines Lebens am eigenen Mythos bastelte. Wie er von den alten Seilschaften profitierte und etwa seine Bildersammlung zu Geld machen wollte, beschreibt Knopp fast wie in einem Krimi. Die Gemälde galten Speer als Kapitallebensversicherung und warteten im Tresorraum einer Bank auf die „Umwandlung“ in bare Münze.

Wer sich mit der Geschichte des Nationalsozialsozialismus auseinandersetzen will und auch die Bezüge in die Zeit nach dem „Tausendjährigen Reich“ ansatzweise verstehen möchte, sollte dieses Buch lesen. Noch einmal: Um „Geheimnisse“geht es nicht wirklich, vieles ist aus Fernsehdokumentationen oder Büchern Guido Knopps bereits bekannt. Das ändert aber nichts an dem Wert der Erkenntnisse. Außerdem fand ich als Schüler schon die Beschwerden von Eltern grauenhaft, die sich darüber echauffierten, dass in der Schule zu viel Nationalsozialismus auf dem Lehrplan steht. Steht mit Sicherheit nicht genug. Denn das alles darf sich niemals wiederholen.

Guido Knopp, Geheimnisse des „Dritten Reichs“, Bertelsmann, München 2011

Autor: Oliver Plöger

1967 geboren, in Vlotho aufgewachsen. Dort Abitur, anschließend zwei Jahre Bundeswehr in Hamburg, Flensburg, Idar Oberstein. Anschließend Studium der Germanistik, Literaturwissenschaften, Erziehungswissenschaften. Magister Artium. Volontariat beim Westfälischen Anzeiger. Redakteur beim Vlothoer Anzeiger, heute in der Redaktion des Mindener Tageblatts.

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